Vom Abendlehrgang zur Fachschule für Technik
Iserlohn und Umgebung: Hier gibt es kaum einen Industriebetrieb, in dem nicht ehemalige Absolventen der Fachschule für Technik bzw. seiner Vorläuferinstitutionen beschäftigt sind. Über 1300 „Staatlich geprüfte Technikerinnen und Techniker“ haben die Schule seit 1957 verlassen.
Kann eine Weiterbildungseinrichtung ihre Existenzberechtigung besser unter Beweis stellen als dadurch, dass die Zahl der Anmeldungen stets über den Möglichkeiten der Schule liegt?
Die Fachschule für Technik als Berufskolleg für Maschinenbautechnik hat ihre Wurzeln in der 1862 gegründeten Provinzial-Gewerbeschule –dem Vorläufer des heutigen Theodor-Reuter-Berufskollegs. 1879 wurden an dieser Schule erstmalig Teilzeitbildungsgänge am Abend angeboten, die einen berufsbegleitenden Schulbesuch ermöglichen sollten.
Der Abendunterricht war damals für die Arbeiter des Metallgewerbes bestimmt. Es zeigte sich aber, dass diesen bei einer Belastung von bis zu 60 Arbeitsstunden pro Woche ein Schulbesuch kaum möglich war. Trotzdem wurde die Abendschule beibehalten. „Lehrkörper“ und Fabrikanten einigten sich darauf, interessierten Arbeitern den Besuch der Schule zu ermöglichen.
Der Verwaltungsbericht für 1901 führt hierzu aus: „Für solche jungen Leute, die sich bereits praktisch betätigt haben und nicht in der Lage sind, eine Fachschule am Tage zu besuchen, wird Abendunterricht erteilt.“
Im Jahre 1935 wurden Abendlehrgänge für mittlere Führungskräfte (Werkmeister) eingerichtet und eine endgültige Trennung zwischen Tages- und Abendunterricht vollzogen.
Aus den Unterlagen der Abschlussprüfungen geht hervor, dass die Werkmeister-Lehrgänge auch während der Kriegszeit (1939 – 1945) durchgeführt wurden.
Im Jahre 1953 erfolgte die Umwandlung der Werkmeister-Lehrgänge in eine „Techniker-Fachschule für Betriebstechnik“ (Abendschule in Teilzeitform). Begründet wurde dies mit der starken Nachfrage nach auch theoretisch gut ausgebildeten qualifizierten Fachleuten.
Im Rahmen einer Neuordnung des beruflichen Schulwesens in NRW im Jahre 1974 wurden die sogenannten „Techniker-Schulen“ den allgemeinen Fachschulen für Technik zugeordnet. In den Empfehlungen der Neuordnung des beruflichen Schulwesens wird u.a. festgestellt: „Fachschulen sind eine Schulform des beruflichen Schulwesens. Sie sind Lernorte der Weiterbildung zu gehobener beruflicher Qualifikation.“
Seit dieser Zeit liegt der Schwerpunkt der Fachschule für Technik im Bereich der Maschinenbau-Technik.
Heute steht die Fachschule für Technik neuen Herausforderungen gegenüber. Kurze Innovationszyklen führen zu einer sich rasch wandelnden Arbeitswelt. Gefragt ist problemlösendes Arbeiten im Team. Die Ausbildung zum Techniker/Technikerin muss dies beachten. Die Unterrichtsgestaltung hat sich an den beruflichen und gesellschaftlichen Realitäten zu orientieren. Dabei sollen Handlungssituationen im Vordergrund stehen, die auf ein selbsttätiges Handeln der Studierenden abzielen.
Die gültigen Lehrpläne von 2005 sind offener gestaltet und ermöglichen so eine bessere Berücksichtigung der Erfordernisse der regionalen Industrie in der Ausbildung in Fachschulen. Die in den Lehrplänen dargestellten Lernfelder stellen praxisrelevante, komplexe Problemstellungen in den Mittelpunkt, die fächerübergreifend zu lösen sind.
Die Fachschule für Technik verfügt –zusammen mit dem Theodor-Reuter-Berufskolleg über modern ausgestattete Werkstätten, die dem Stand der Technik entsprechen. Damit ist gewährleistet, dass die Schule auch in Zukunft den Anforderungen einer zeitgemässen Ausbildung gerecht wird.